Mein Schwangerschaftstagebuch – drittes Trimenon

Zwiegespräche mit dem Bauch

Seht ihr auch manchmal Menschen alleine und murmelnd durch die Straßen laufen? Meist stellt sich heraus, dass der- oder diejenige mit „Knopf im Ohr“ unterwegs ist. Auch bei älteren Menschen sollen solche kleinen Monologe ab und an vorkommen. Aber wenn es sich um eine Frau handelt und zwar um eine Frau mit dickem Babybauch, dann … ja dann kann es sein, dass sie gerade mitten im Zwiegespräch mit dem kleinen Mitbewohner ist.

In letzter Zeit, je mehr sich die Kleine meldet, erwische ich mich immer öfter dabei, wie ich ihr Dinge erkläre („ja, jetzt fahren wir mit dem Auto“), sie besänftige („keine Panik, meine Süße, das ist nur laute Musik“) oder auch mal grantig werde („hey, hör sofort auf in meinen Magen zu treten!“). Nachdem ich das nun bei anderen Müttern auch öfter erlebt habe, muss ich zugeben, dass es für Außenstehende, nun ja, etwas eigenartig wirken mag.
Aber irgendwie ist es doch auch wieder toll, man beginnt eine Beziehung zu dem kleinen Menschen im Bauch aufzubauen, indem man ihn (oder sie) einbindet und Kontakt aufnimmt. Das Baby hört die Stimme und wenn es sein gemütliches Nest dann mal verlässt, ist diese Stimme eines der wenigen Dinge, an denen es sich orientieren kann. Es „kennt“ Mama und Papa dann schon ein wenig.
Wobei das natürlich nicht heißen soll, dass man verpflichtet wäre, Dauergespräche mit dem „Dickbauch“ zu führen, wenn einem nicht danach ist – das Baby lernt die Stimme ja auch über das ganz normale Sprechen kennen. Aber auch für einen selbst ist es meist ganz nett, so in den Erstkontakt mit dem Nachwuchs zu treten.

In den letzten Schwangerschaftsmonaten erwischt es meist sogar die dazugehörigen Väter. Die haben bloß den Vorteil, dass Passanten im Idealfall denken, sie reden mit ihrer Partnerin – allerdings nur, solange der Papa zu der Hochschwangeren neben ihm nicht gerade Dinge sagt wie „Na komm, nicht so doll hüpfen, Kleine!“.

Übrigens habe ich es bisher so gehalten, dass ich auch etwas später mit dem kleinen Baby schon alles mögliche geredet habe, von „wir steigen jetzt aus“, über „siehst Du die Lichter da vorn, super oder?“ bis hin zu „Na, möchtest Du was essen?“. Manchmal wird man da ja ganz schön doof angeschaut. Klar, ein Baby begreift noch nicht wirklich den Sinn der Worte, aber es versteht den Klang und darüber nach und nach auch die Bedeutung.

Ich behaupte jedenfalls, dass mein Sohn auch deshalb so eine kleine Quasselstrippe mit Riesenwortschatz geworden ist. Gut, manchmal wünschte man sich dann doch etwas mehr Ruhe, aber die Dauerdokumentation seiner Umgebung („Oh Mama, sau mal, da vorn gehen swei Männa mit Regenjacken und einem kleinen braunen Hund) ist doch auch sehr süß :-) .

Foto © Anja Roesnick – Fotolia.com

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