Mein Schwangerschaftstagebuch – zweites Trimenon

Eigentlich sollte ich doch glücklich sein – traurig in der Schwangerschaft

Auch diese Schwangerschaft kommen Sie wieder: Die traurigen Tage. Zum Glück seltener und weniger heftig, aber auch. In der letzten Schwangerschaft gab es durchweinte Nächte und manchmal regelrechte Verzweiflung. Alles ist neu, alles wird anders, man wird schwerfällig, müde, bei mir kam noch eine ungewisse und angespannte berufliche Situation dazu … und fertig sind die Zutaten für Stimmungstiefs und Traurigkeiten.

Das Schlimmste daran: Das schlechte Gewissen. Weil es diverse Leute gibt und diverse „Tipps“ im Internet, die felsenfest behaupten, das Baby würde alles „spüren“, nach der Geburt seinerseits traurig, ein Schreibaby und Schlimmeres werden. So kam zu der Traurigkeit noch ein schlechtes Gewissen und beides hat sich immer mehr aufgeschaukelt.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Alles Unsinn, was andere mir da erzählt haben. Als ich mich endlich getraut hatte, Ärzte dazu zu fragen, haben diese über Aussagen wie „dann wird dein Kind auch weinen“ nur herzlich gelacht. Es gibt weder einen einzigen Beweis dafür, dass traurige Mütter, traurige Kinder „produzieren“ noch dafür, dass das Kind Traurigkeit der Mutter „spürt“. Vor allem, da diese Zustände, wie mir mittlerweile oft genug „unter der Hand“ erzählt wurde, so ziemlich jede Frau kennt.

Darum liebe Mamis und werdende Mamis: Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen. Sicher, das gesellschaftlich „akzeptierte“ Bild ist immer noch das einer glücklichen, in sich ruhenden Schwangeren. Der Realität entspricht das allerdings nicht.

Und wenn diese Zustände länger dauern und für euch unerträglich werden, habt keine Angst, ärztliche Hilfe zu suchen. Das ist alles ganz normal, schlechtere Mütter seid ihr deshalb niemals. Ganz im Gegenteil, ich bin mittlerweile überzeugt, dass es von Stärke zeugt, nicht aller Welt etwas vorspielen, sondern zum „Ist-Zustand“ zu stehen.

Übrigens sind in meinem Fall sogar die damaligen „Pessismisten“, die mir ein Schreibaby prognostiziert haben, verstummt. Denn ein fröhlicheres, selbstbewussteres Kerlchen als meinen Sohnemann gibt es kaum. Darum: Nur Mut. Und, so schwer es ist, „Ratschläge“ wie die oben genannten, nicht weiter ernst nehmen.

Mir zumindest hat das für diese Schwangerschaft sehr geholfen: Traurige Zustände ganz normal nehmen, ohne schlechtes Gewissen – so komme ich dieses Mal auch viel leichter wieder da heraus.

Foto © luna – Fotolia.com

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