Mein Schwangerschaftstagebuch – zweites Trimester

Wie sag ich’s bloß den anderen?

In jeder Schwangerschaft kommt immer der Punkt, an dem man anderen Menschen verraten muss, dass man nun als „two in one“ unterwegs ist. Sei es, weil man liebe Menschen einweihen möchte, sei es, weil es schlicht zu offensichtlich wird oder aber aus arbeitsrechtlichen Gründen – leicht ist es nicht immer.

Der/die erste, der es erfährt, ist naturgemäß oft der Arzt bzw. die Frauenärztin. Die haben nun kein persönliches, sondern maximal ein professionelles Interesse daran, dennoch könnte ich persönlich auf das gelangweilte „so so, dann schauen wir mal nach“ und das anschließende hingenuschelte „Herzlichen Glückwunsch“ + uninteressierten Händedruck gut und gerne verzichten. Irgendwie hat das bei mir jedes Mal eher einen peinlichen Effekt, der die Freude mehr dämpft als steigert.

Der wirklich erste aus dem persönlichen Umfeld ist natürlich der Partner und zukünftige Papa. Die Reaktionen sind da so unterschiedlich wie die Männer selbst und oft sehr überraschend. So hörte eine liebe Freundin, die es zusammen mit ihrem Mann bereits monatelang „versucht“ hatte, ein „ so, eine verdammte Sch***“, als erste Reaktion, und das war durchaus nicht rusikal-freudig gemeint. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist da oft enorm. Wie durchaus nicht jede Frau durch’s Zimmer hüpft, sobald sie von ihrem Mitbewohner erfährt, so muss sich auch der ein oder andere Papa erst an den Gedanken gewöhnen, egal ob geplant oder nicht. Andererseits gibt es werdende Papas, die in Freudentränen ausbrechen, obwohl sich der Nachwuchs völlig überraschend ankündigt.
Wahrscheinlich macht es, wie bei jeder wichtigen Nachricht, unter anderem auch der richtige Zeitpunkt aus – am einfachsten geht es wahrscheinlich, wenn er beim Test dabei ist. Die gute Nachricht: Ist dieser Teil erst hinter einem, hat man fortan wenigstens Unterstützung, wenn es darum geht, Eltern, Schwiegereltern, Freunden und Verwandten die Nachricht zu überbringen.

Denn auch der Freundes- und Verwandtenkreis ist nicht immer die leichteste Übung. Kinderlose sind nicht durch die Bank begeistert, dass man in Zukunft nicht mehr so viele Gemeinsamkeiten und gemeinsame Zeit hat, ebenso geht es hin und wieder Menschen mit schon größeren Kindern. Ganz gefährlich kann es werden, wenn Freunde bereits lange Zeit „üben“ und man selbst mit der freudigen Nachricht allzu eifrig herausplatzt. Und dann gibt es auch noch jene, oft älteren Verwandten, die erwarten, dass Mama und Papa in spe mit Dauergrinsen unterwegs sind und die restlos enttäuscht reagieren, wenn beide noch ein wenig skeptisch wirken. In diesem Fall heißt die Devise „Augen zu und durch“.
Am besten, man überbringt Menschen, die einem gemeinsam wichtig sind, die Nachricht auch zu zweit.
Unvergessen ist bei uns übrigens der halb scherzhafte, halb ernst gemeinte Ausruf des zukünftigen Großvaters „Aber ich bin doch noch viel zu jung, um Opa zu sein!“

Dieses Mal hatte ich es im Überschwang der Gefühle einigen nahen Freundinnen und Verwandten verraten, die in den meisten Fällen restlos begeistert waren (manchmal auch eher distanziert). Und so musste ich da dann nicht weiter aktiv werden, die Nachricht verbreitete sich „sozusagen“ von selbst.

So richtig schwierig kann es dagegen beim Arbeitsgeber werden. Im besten Fall freut sich dieser für einen, aber bitte auch nicht ZU sehr, sonst könnte das wieder verdächtig sein … Im schlechtesten Fall bekommt frau allenfalls ein mit säuerlichem Gesicht mühsam herausgepresstes „Herzlichen Glückwunsch“ zu hören.
Ich habe da leider noch kein Patentrezept gefunden. Weder die frühe und sehr überlegt-freundlich-sachliche Verkündung, noch die lange hinausgeschobene eher verdruckt mit schlechtem Gewissen vorgetragene waren wirklich erfolgreich. Wer da gute Erfahrungen und Ideen hat, gerne her damit! Meine Vermutung ist, dass es in Wahrheit gar nicht so sehr auf das „wie“ ankommt, sondern einfach das Arbeitsumfeld und die aktuelle Situation des Unternehmens entscheidend sind.

Nächstes Mal: “Eigentlich sollte ich doch glücklich sein”- Traurig in der Schwangerschaft

Foto © apops – Fotolia.com

Der Eintrag wurde geschrieben in Privatgespräch, Rund ums Baby und getagged , , , , , , , , , . Bookmarken Sie den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort