Wolle

Wolle

Wolle gehört ebefalls zu den Naturfasern, insbesondere zu der Gruppe der tierischen Fasern.

Schon vor circa 7000 Jahren waren Wollfilze in China, den Babylonieren und in Ägypten ein Begriff. Im 14. Jhd. wurde in Spanien das Schaf mit der feinsten Wolle gezüchtet, das Merinoschaf, welches wir unter dieser Bezeichnung auch heute noch kennen. Ende des 18. Jhd. begann man in Australien mit der Schafzucht.

Schafwolle

Heute leben dort 160 Millionen Schafe. Das sind 14% des Weltbestandes. Die wichtigsten Schafrassen heute sind die hochgezüchteten, leicht anfälligen und empfindlichen Merino Edelrassen. Im Gegensatz dazu stehen die englischen Landschafrassen. Diese führen nach der auf dem schmalen Hügelland zwischen England und Schottland, den Cheviot-Hills, gezüchteten Bergschafrassen oft den Sammelnamen Cheviotwolle. Die Cheviotwolle ist länger, gröber und weniger gekräuselt als die Merinowolle. Der große Bedarf an mittelfeinen Wollen führte zu dem Versuch, auch auf großen Tieren eine entsprechend feine und ertragreiche Wolle zu züchten. Dies gelang in Australien durch kreuzen der grobwolligen, englischen Lincoln-Schafe mit den feinwolligen Merinos, deren Abkömmlinge die sehr feinwolligen Kreuzungsschafe – die Crossbreds -, als Lieferant kräftiger Wolle mit hohen Schurgewicht und gleichzeitig als Fleischträger doppelt wertvoll sind.

Die wichtigsten Wollen sind also:

- Merinowolle, die sehr fein und stark gekräuselt, hochwertig und edel ist. Sie wird insbesondere für hochwertige Oberbekleidung verwendet, gestrickt oder gewebt

- Cheviotwolle, die etwas göber und weniger gekräuselt ist. Sie wird für Teppiche und rustikale Möbelbezugsstoffe benutzt

- Crossbred, eine kräftige Wolle. Sie wird für gröbere, sportliche und strapazierfähige Bekleidung verwendet.

Insbesondere Merinowolle ist für Baby-, und Kinderbekleidung geeignet. Die Merinowolle ist besonders weich und zart und ideal für Babys Haut.

Die Welterzeugung der Wolle hat sich seit der Jahrhundertwende bis heute etwa verdoppelt. Die Produktion gewaschener Wolle betrug 1995 circa 1,5 Mill Tonnen (ungewaschen circa 2,5 Mill. Tonnen). Das sind etwa 3% der Weltfaserproduktion. In fast allen Ländern der Erde gibt es Schafe.

Die wichtigsten Wollerzeugerländer sind: Australien, Rußland, Neuseeland und China

Feinheit, Stapellänge und Kräuselung der Wolle sind ihre wichtigsten Qualitätsmerkmale, sie wird deshalb eingeteilt in Feinwollen, Mittelwollen und Grobwollen, die bevorzugt von den 3 genannten Schafrassen stammen.

Merinowolle steht qualitativ an oberster Stelle hinsichtlich den genannten Qualitätsmerkmalen. In glatten Kammgarnen sind die feinen Wollfasern fest eingebunden, sie können kaum kräuseln. Feine glatte Kammgarne schließen weniger Luft ein und haben deswegen eine geringe Wärmeisolation („Cool Wool“).

Voluminöse Streichgarne haben eine lockere Garnstruktur. Die Wollfasern liegen gekräuselt im Garninneren vor und isolieren durch viele Lufteinschlüsse hervorragend gegen Kälte. Wolle ist im „Warmhalten“ unschlagbar und ideal für Winterkleidung geeignet.

Obwohl die Wolle als solche ein schlechter Wärmeleiter ist, beruht das im Vergleich zu anderen Textilien hervorragende Wärmerückhaltevermögen der Wollerzeugnisse auf ihrer durch die Kräuselung und Bauschigkeit bedingten Fähigkeit, ein besonders großes Luftvolumen als Isolator zwischen den Fasern einzuschließen und festzuhalten. Auch wenn die Wolle schon viel Feuchtigkeit aufgenommen hat, kann sie noch wärmen. Durch die Aufnahme von Wasserdampf spreizen sich die Schuppen der Wolle ab und verhaken sich, der Lufteinschluss der Wolle wird erhöht und somit auch das Wärmerückhaltevermögen.

Wolle ist hygroskopisch. Sie nimmt bis zu einem Drittel ihres Gewichtes an dampfförmiger Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen. Schweiß (schwache Säuren, Laugen, Salze) kann sie chemisch binden und neutralisieren. Dampfförmige Feuchtigkeit wird sehr schnell aufgenommen. Wassertropfen weißt die Wollfaser zunächst ab. Sie nimmt Feuchtigkeit in tropfenform nur sehr langsam auf. Diese Eigenschaft nennt man „hydrophob“. Nasse Wolle trocknet langsam.

Die Weichheit der Wollfaser ist von der Feinheit abhängig. Lammwolle und feine Merinowolle sind besonders weich. Die Wollfaser ist besonders elastisch und knitterartm. Knitterfalten hängen sich von selbst wieder aus.

Wolle kann bis zu 40% seinens eigenen Gewichts an Feuchttigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Man verwendet Wolle daher gerne für Wettermäntel, wie bsp. weise Lodenmäntel. Leichte Wollstoffe haben einen weichen, fließenden Fall.

Wolle verträgt aber nur Temperaturen bis 30°C. Bei höherer Temperatur filzt die Wolle leicht. Wolle verlangt beim Waschen ein mildes Waschmittel, wenig Bewegung und darf nur bei mäßiger Hitze gebügelt werden. Auch durch Einwirken von Schweiß kann Wolle verfilzen. Beim Verfilzen schlingen sich die Fasern unlöslich ineinander. Die Textilien verlieren ihre schöne Oberfläche, werden unelastisch und laufen ein. Die Eigenschaft des Filzens ist aber manchmal gewollt bei der Herstellung von bestimmten Tuchen und Filzen, wie z.B. Loden. Wolle wird in erster Linie für Kleidung verwendet, die wärmen soll.

Wolle, vor allem die feine Merinowolle ist bestens für Baby-, und Kinderkleidung geeignet. Aufgrund seiner Hautfreundlichkeit und Feinheit. Trotz mancher „negativen“ Eigenschaften der Wolle, wie das Verfilzen, ist Wolle, besonders die hochwertigen Merinosorten eine edle Naturfaser, aus der wunderschöne, weiche und zarte Textilien, wie Baby Kuscheldecken, Baby Cardigans oder Baby Leggins hergestellt werden können.

Leichte Wollkleidung, hergestellt aus hochwertigen, glatten Kammgarnen kann man zu jeder Jahreszeit tragen. Deswegen findet man auch in Sommerkollektionen immer wieder Merinowolle, die z.B. zu leichten Baby Strickjacken oder Baby Pullundern verarbeitet werden.

lamb wool

Wenn das Lamm 6 Monate alt ist, wird es zum ersten mal geschoren. Diese Schur ergibt eine kurze und wenig feste, aber eine sehr weiche und besonders feine Wolle, diese nennt man Lammwolle (Lambswool).

Nach dem TKG gilt allgemein, dass Schurwolle die vom lebenden Schaf geschorene Wolle ist. Schurwollerzeugnisse müssen aus Wollfasern bestehen, die noch nie in einem Fertigerzeugnis enthalten waren und nur dem zur Herstellung des Erzeugnisses erforderlichen Verarbeitungsprozess unterlegen haben. Textilien aus 100% Schurwolle dürfen mit REINE SCHURWOLLE gekennzeichnet werden, dabei sind bis zu 0,3% Fremdfasern für Faserflug während der Produktion und bis zu 7% für sichtbare Ziereffekte eingeräumt. In Mischungen darf die Bezeichnung Schurwolle nur verwendet werden, wenn die gesamt enthaltene Wolle Schurwollqualität hat und der Anteil mind. 25% beträgt. Es darf neben Schurwolle nur eine weitere Faser verwendet werden. Die Bezeichnung Reine Wolle darf auch für ein Erzeugnis verwendet werden, welches z.B. aus Reißwolle besteht.

 

 

Wolle kbt


Der Unterschied zu konventioneller Wolle und Wolle kbt besteht in der Aufzucht und Haltung der Tiere. Die Schafe werden in der konventionellen Tierhaltung in der Regel in riesigen Herden gehalten und um dem massiven Schädlingsbefall entgegenzuwirken werden die Tiere mit Insektiziden behandelt (diese sammeln sich dann im Lanolin, dem Wollfett an). Dies ist in der kontrolliert biologischen Tierhaltung nicht erlaubt. Des weitern dürfen die Weiden, auf denen die Tiere grasen nicht mit Pestiziden belastet sein, Kunstdünnger ist nicht erlaubt und die Schafe bekommen kein Kraftfutter. Ebenso wird in der kontrollierten Schafzucht kein Mulesing angewendet.

Beim Waschen der Wolle werden Schmutz, Wollschweiß, Insektizidrückstände und meist auch das Wollfett Lanolin entfernt. Die Chemikalien aus der konventionellen Tierhaltung werden dabei zwar fast vollständig ausgewaschen, verunreinigen jedoch das Abwasser. Bei der Weiterverarbeitung von kbt Wolle dürfen keine syntethischen oder chemischen Behandlungen stattfinden, wie gesundheitsgefährdende Chlorbleichen, Mottenecht, waschmaschinenfest Ausrüstung usw.